Aus- und Rückblick unserer Kantonsräte
von Redaktor Bezirk Winterthur

Barbara Günthard und Markus Schaaf, unsere Bezirks-Kantonsräte, schauen aufs letzte Jahr zurück und werfen auch einen Blick ins Jahr 2021.
- Ein schwieriges Jahr neigt sich dem Ende zu. Was war trotz Corona für dich ein Highlight im 2020 im Kantonsrat?
Barbara Günthard: Mit Frauen verschiedener Fraktionen war eine verbesserte Zusammenarbeit möglich in verschiedenen Bereichen, was in der vergangenen Legislatur fast nicht umsetzbar war.
Markus Schaaf: Ich bin dankbar für die hervorragende Zusammenarbeit in unserer Fraktion. Alle Mitglieder leisten ein sehr hohes Engagement und bringen sich konstruktiv ein. An unseren Fraktionssitzungen treffen manchmal auch sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander. Aber wir führen auch konträre Diskussionen stets mit Respekt für Verständnis für andere Meinungen. Wenn ich beobachte, wie es in andern Fraktionen zu und hergeht – bin ich für unser Team unendlich dankbar.
- Welchen persönlichen Schwerpunkt hast du im 2020 aktiv im Kantonsrat eingebracht?
Barbara Günthard: Es sind vor allem Themen im Bereich Asyl, Menschenhandel, Palliativecare, häusliche Gewalt, wo ich mich neben der Aufsichtstätigkeit in der Kommission für wirtschaftliche Unternehmen eingebracht habe.
Markus Schaaf: Als Fraktionspräsident bringe ich die Belange der EVP in der Geschäftsleitung ein und informiere unsere Fraktion über die Diskussionen und Beschlüsse der Geschäftsleitung. Die Geschäftsleitung des Kantonsrats hat auch in der Coronakrise ohne Unterbruch getagt
- Wo hättest du gerne anders entschieden als die Ratsmehrheit?
Barbara Günthard: Es wurde eine parlamentarische Initiative mit grosser Mehrheit überwiesen ohne uns, welche den Zugang fordert für Sterbehilfsorganisationen in allen öffentlichen Alterszentren. Das Recht auf Selbstbestimmung beim Sterben wird so immer mehr gefördert, auch der Druck auf die verletzlichen Personen insgesamt steigt massiv. Für uns ist eine ausgebaute Palliativecare viel wichtiger und auch menschenwürdiger. Das Geschäft wird in einer Kommission beraten werden, wo es vielleicht noch möglich sein wird, die eine oder andere Vorgabe zu entschärfen.
Markus Schaaf: Beim Budget 2021 hat eine Mehrheit von SVP, FDP und GLP viele Kürzungen bei der Bildung vorgenommen. Diese Kürzungen werden für die Universität, bei den Mittelschulen und in der Volksschule spürbar werden. Bildung ist unser wichtigster Rohstoff, deshalb kann ich nicht verstehen, dass man in diesem Bereich dermassen verantwortungslos Gelder kürzt.
Bei einem anderen Entscheid hat die Mehrheit beschlossen, dass in den Zürcher Restaurants die Glückspielautomaten wieder erlaubt sein sollen. Wir sind der Meinung dass zu diesem Entscheid die Stimmbürger das letzte Wort haben sollen, deshalb haben wir hier das Referendum ergriffen. Im Juni 2021 werden wir über diese Frage abstimmen.
- Wie erlebst du den temporären Standort in der Messe Zürich statt im Rathaus Zürich?
Barbara Günthard: Wir haben hier genügend Platz, was im Vergleich zum Rathaus richtig befreiend ist. Was ich bedaure ist, dass keine Zuschauer mehr kommen dürfen und alles nur noch per Livestream beobachtet werden kann. Ein neues Rathaus würde ich sehr begrüssen.
Markus Schaaf: Die EVP setzt sich schon seit Jahren für ein Rathaus ein, welches ein Arbeiten mit zeitgemässen Verhältnissen ermöglicht. Wir wollen ganz sicher keinen Luxus. Umso mehr geniesse ich jetzt die besseren Platzverhältnisse. Ich kann meinen Arbeitsplatz verlassen, ohne dass eine ganze Sitzreihe deswegen aufstehen muss.
- Welches Thema wirst du im neuen Jahr gerne im Kantonsrat einbringen?
Barbara Günthard: Es werden die gleichen sozialen Themen sein wie oben beschrieben, daneben hoffe ich, dass 50 Jahre Frauenstimmrecht auch im Ratsbetrieb ihren Niederschlag finden werden.
Markus Schaaf: Ich engagiere mich bereits seit Jahren gegen den übertriebenen Denkmalschutz in unserem Kanton. Mit einer Motion, die demnächst behandelt wird, soll Bewegung in die Sache kommen. Denkmalschutz muss gezielter erfolgen und weniger systematisch wie heute.
- Wo siehst du in der Zukunft Handlungsbedarf für unseren Kanton?
Barbara Günthard: Klimapolitisch ist es wichtig, dass wir da als grösster Kanton vorwärts machen für unsere nachfolgenden Generationen neben den Themen rund um Corona. Wir haben in der jetzigen Krise wieder gesehen, wie der grosse Nachholbedarf bei der Ausbildung in Gesundheitsberufen nachgewiesen ist und da unbedingt Massnahmen erforderlich sind.
Markus Schaaf: Aktuell befindet sich unser Land in der grössten Krise seit dem 2. Weltkrieg. Die Folgen der Coronakrise wird uns in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Finanzen noch lange beschäftigen. Daneben dürfen wir aber auch die noch grössere Krise, den Klimawandel, nicht ausser Acht lassen. Wir müssen uns schon heute auf die Herausforderungen vorbereiten, die der Klimawandel mit sich bringt. Sonst sind wir dereinst genauso überrumpelt, wie wir es im letzten Frühling mit der Coronakrise waren.